Passiert dir das eigentlich auch dauernd, wenn du nach einer Location fragst? Lässt sich auch nur der geringste abwegige Zusammenhang herstellen, fragen die Ansprechpartner mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nach, ob man einen Porno dreht. Selbst wenn sie es nicht fragen, für eine eindeutig zweideutige Andeutung ist immer Platz. Mit diesem Phänomen sollte sich mal ein Seelenklempner befassen – das kann einfach kein Zufall sein.
Obwohl es nach wie vor nicht so ein Film ist, gibt es auch in Death of the Wii Dance Girl in der Tat einige Szenen, die Nacktheit beinhalten. Und aus einem seltsamen Grund die Notwendigkeit, für den Szenenaufbau mein Schlafzimmer großflächig zu demontieren, da entweder Platz für mein Bett oder für die Kamera war.
Schon im Vorfeld haben mir diese Szenen einige schlaflose Stunden bereitet. Auch wenn ich inzwischen Menschen einigermassen spannend in Szene setzen kann, habe ich keine Erfahrung mit dem Bereich der Aktphotographie. Ich respektiere diesen Kunstbereich – hätte Nackheit keinen künstlerischen Sinn, hätte ich sie auch nicht ins Drehbuch geschrieben. Nur dachte ich bisher nie daran, dass sich wirklich jemand für mich vor die Kamera stellen möchte.
Offensichtlich hatte Laura, die das Wii Dance Girl spielt, genug Vertrauen zu mir, um diese Sache wirklich ganz durchzuziehen und somit trafen wir uns am Muttertag in meinem improvisierten Studio. Entschuldigung übrigens an unsere beiden Mütter – wir haben über die Vorbereitungen total verpennt, welche Tag eigentlich ist.
Hier ein paar Erkenntnisse, die ich aus dem Dreh gelernt habe.
1) Ein Körper bewegt sich anders, als du das im Kopf hast – eine Einstellung zu finden, die nichts zeigt, was du nicht zeigen möchtest, ist schwierig. Wenn du nur mit dem Sucher oder dem Display an deiner Kamera arbeitest, wirst du immer Sicherheitsabstand einrechnen müssen, denn auf dem Video ist nachher mehr als du vorher gesehen hast. Ein Vorschaumonitor, der nichts abschneidet, ist geradezu Pflicht.
Die Schwierigkeitsstufe erhöht sich nochmal richtig, wenn die Schauspielerin oder die Kamera in Bewegung ist. So wie sich bei einer ausladenden Bewegung ein Kleidungsstück bewegt, verschiebt sich auch alles, was da drunter ist. Ich habe erneuten Respekt für einige Shots in Filmen gefunden, die diesen Spagat hinkriegen, ohne dass die Bewegung nachher künstlich aussieht.
2) Die Farbe macht das Bild – man liest häufig den Tipp, auf Schwarz/Weiss zu wechseln, um den Bildern eine andere Qualität zu bringen. Auch die Schönsten unter uns sind nach wie vor Menschen und haben kleine Flecken und Makel in der Haut, die der schicke neue HD-Flachbildschirm so richtig in Szene setzen kann.
Da plötzliche Wechsel in S/W nicht so mein Ding sind, habe ich auf einen langsamen Shutter (also hohe Bewegungsunschärfe) und eine gewisse Überstrahlung gesetzt um die Aufmerksamkeit von den Details wieder auf die Formen und das Licht zu bringen.
3) Es wird schnell genug warm – es ist schwer sich zu entspannen, wenn man fröstelt. Doch selbst mit den eingesetzten Energiesparlampen donnerten einige hundert Watt in den Raum und machten die Heizung schnell unnötig.
Neben Sauna gab es als Bonus noch eine leichte Rauchvergiftung für uns beide durch das eingesetzte Rauchpulver. Atemschutz in geschlossenen Räumen? Humbug!
4) Okay heisst okay - wenn du als Autor/Produzent/Regisseur/Kameramann in Personalunion in der Planungsphase bist und dich auf einmal Gewissensbisse picken, fahr mal wieder einen Gang runter. Du hast dein Gegenüber gefragt und die Person hat genug Vertrauen zu dir um zuzustimmen. Diesen Vertrauensvorschuss kannst du dir selber auch geben.
Eine so irrsinnig erotische Situation ist ein Drehtag im Endeffekt eh nicht. Wir haben soviel Zeit mit Herumalbern verbracht wie mit dem Drehen an sich. Stell dir doch einfach mal vor, du stehst auf einmal wenig bekleidert vor einer Kamera und sollst irgendwelche Faxen machen. Ich könnte da auch nicht bei mir halten.
5) Nobody is perfect – Vorbereitung ist eigentlich alles, aber noch wichtiger ist, dass man heiter bleibt und Probleme so nimmt, wie sie kommen. Denn das machen sie sowieso.
Vielleicht sollte ich an der Stelle erwähnen, dass wir einen zweiten Termin nachschieben müssen, weil ich vergessen habe, mir wieder ein Balance Board von einem Kollegen zu leihen. In der Sekunde, als ich es vom Schrank holen wollte, ist mir das spontan wieder einfallen.
Wie gesagt, wir haben eine Menge gelacht. ^^
Vielleicht hast du ja auch schonmal bei so einem Drehtag vor oder hinter der Kamera gestanden. Was waren deine Eindrücke davon?
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