Einer schaut heute abend nicht auf die Lost-Insel, sondern in die düstere Bucht

22 01 2009

Während einige Arbeitskollegen heute eine Stunde eher freigemacht haben, um die ersten beiden Folgen der neuen Lost-Staffel aus dem Torrent zu fischen, habe ich mir die Heimfahrt mit einer Mystery Soap namens Sinister Bay verkürzt.

(Trailer auf YouTube ansehen)

Sinister Bay ist eine deutsche No-Budget Produktion in englischer Sprache. Von dieser Kombination habe ich mal so rein garnichts erwartet, aber man ist ja grundsätzlich erstmal doch neugierig, was andere mit eingeschränkten Mitteln so erreichen. Insbesondere, da die Macher inzwischen ganz kommerziell das Drehbuch für den Pro7-Fernsehfilm Gonger abgeliefert haben.

Tatsächlich zieht die Geschichte um den schlafgestörten Chester, den phobiensammelnden Victor sowie Chesters verstorbene Freundin Mysterysüchtele schnell in ihren Bann. Da keine Folge länger als 10 Minuten dauert, kriegt man auch nicht sofort Kopfschmerzen, wenn einem die geringe Auflösung, die extreme Graduierung des Bilds oder die eindeutig Lynch folgenden Handlungssprünge auf die Nerven gehen.

Schaut einfach mal rein. Die bisher erschienenen Folgen (nach der ersten wird die Technik auch etwas besser) findet ihr auf der offiziellen Webseite sinisterbay.com oder auch auf YouTube.

Und Lost… schau ich mir dann Morgen an. ;)





Wuff-wuff, heul-heul

20 01 2009

Innerhalb meiner Videosammlung auf YouTube gibt es eigentlich nur ein Video, dass auch über ein Jahr nach dem Einstellen noch regelmäßig Kommentare kriegt. Es heißt „Goodbye, old dog“.


(Auch auf Vimeo)

Um als aufstrebender Videodings respektiert zu werden, sollte man mit „Haustierfilmchen“ eigentlich alles machen, ausser sie zu veröffentlichen. Das stört mich ausnahmsweise mal nicht im geringsten, denn diese paar Minuten zeigen ein Stück weit, wie ich denke, wie man mit Tod und Verlust umgehen kann.

Das Rohmaterial für „Goodbye, old dog“ entstand am Abend vor Garvers letztem Tierarzttermin. Elf Jahre waren sie Seite an Seite mit Monty durchs Leben gegangen, seit sie ihn total verwahrlost aus einem Zwinger geholt hatte. Doch jetzt war die Zeit dafür gekommen, sich zu trennen.

Und was würden sie sagen, macht dieses Gefühl mit Ihnen?

Der Mensch kennt verschiedene Arten, mit diesem Wissen umzugehen. Die einen würden vielleicht versuchen, das sterbende Tier zu hassen. Die teuren Medikamente, die Urinpfützen auf dem Teppich. Wenn man etwas hasst, ist man doch froh, wenn es verschwindet, oder?

Andere hingegen, versuchen sich auf die mechanische Ebene zurückzuziehen. Man lädt das Tier ab, die Tür schließt sich und der Tierarzt kümmert sich um den Rest. Der einstige Freund stirbt allein. Diesen Weg wählten meine Großeltern für Bobby, mit dem ich aufgewachsen bin, aus meinem Leben. Als ich von der Schule in unser Großfamilienzuhause zurückkam, war er einfach weg. Es sollte Monate dauern, bis ich keine Alpträume mehr von rachelüsternen, gemordeten Hunden mehr hätte.

Dann gibt es die, die erst wiederstrebend, aber dann doch bestimmt den Weg durch die Mitte hindurch wählen. Da sein. Beruhigen. Den Freund streicheln und beruhigen, bis der letzte Atemzug getan ist. Sich an die halten, die noch da sind. Und weinen. Sehr viel weinen.

Noch am selben Abend fertiggestellt trägt für mich dieses Video genau das in sich – und ich freue mich über jeden Zuschauer, dem das Video den Weg zu seinem Schmerz gebahnt hat.

Irgendwie muss er in die Welt hinaus – warum nicht so?

Das möchte ich aber meinen Eltern / Kindern / Tanten / Neffen ersparen!

Ganz sicher? Zumindest im Fall meiner Großeltern habe ich im späteren Gespräch herausgefunden, dass sie damals eigentlich hauptsächlich sich selbst die Konfrontation mit dem Tod und der Trauer ersparen wollten.

Als ich wenige Wochen darauf meinen letzten Gefährten aus Kindertagen zur Regebogenbrücke bringen musste, zerrte ich meinen Großvater unter größtem Wiederstand mit zum Tierarzt und hob anschließend mit meinen Freunden ein Grab im Garten für ihn aus.

Viel Schweiß und viele Tränen, aber keine Alpträume. Im Endeffekt waren wir uns beide einig – das war der richtige Weg.





Berlin is silent

20 01 2009




Warum Silent Hill toll und Max Payne Grütze ist

27 11 2008

Zum Anlass des baldigen Kinostarts von Max Payne philosophierte ich kürzlich darüber, welche Videospiele noch auf die große Leinwand gehören. Jetzt komme ich gerade frisch aus dem Film, der mich zu diesen Überlegungen geführt hat und denke darüber nach, was denn jetzt so genau schiefgegangen ist. Zum Vergleich möchte ich erstmal gesundes Gewebe hinzuziehen – die bisher einzig wirklich gelungene Videospielverfilmung, der Silent Hill Film.

Warum Silent Hill toll ist

movienursesWenn man eine Videospielverfilmung macht, kann man cheaten. Man nimmt einfach den Namen und bastelt was sich was Unterhaltsames zusammen und kümmert sich ansonsten wenig um die Vorlage. Dazu zähle ich so etwas wie Super Mario Brothers. Oder man beschäftigt sich ernsthaft mit dem Material und versucht den Fans wirklich etwas zu liefern mit dem sie leben können. Dann kommt Silent Hill dabei raus.

Nicht, dass ihr mich falsch versteht – mir ist nicht entgangen, dass Charaktere und Handlungselemente geändert, gekürzt, ausgetauscht oder gleich ganz weggelassen wurden. Der Film hat aber trotzdem noch soviel davon, was die Vorlage ausgemacht. Die Kreaturen sind stimmig, es wird eine unheilige Anzahl fantastischer Sets durchgejagt und noch dazu blieb das Markenzeichen #1 der Serie erhalten – die Musik von Akira Yamaoka. Einige Neukompositionen wären nett gewesen, aber die Neuabmischungen bekannter Themen sind auch nicht zu verachten.

Ein wirklich besonderer Film – davon bitte mehr!

Warum Max Payne Grütze ist

maxGehen wir zum Patienten über. Max Payne möchte auch in die Silent Hill Kategorie gehören und was besonderes sein. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass das Team versucht hat viel von der Gestaltung der Vorlage zu kopieren, ohne allerdings die Nuancen zu verstehen. Vielleicht war man einfach nicht in der Lage, aus verschiedenen Visionen ein stimmiges Ganzes zu bauen. Nehmem wir mal New York im Schneegestöber, sieht wirklich toll aus im Film. Wieso regnet es aber zwischendurch ab und an unmotiviert, was eher an Blade Runner erinnert als an das Vorspiel zu Ragnarök, was der Jahrhhundertschneesturm in der Vorlage inszeniert? Dazu streut man noch ein wenig Höllenfeuer der Marke Constantine, was nett aussieht, aber halt einfach ein sinnloses Gimmick ist.

Auch hier mat man ordentlich geändert, gekürzt, ausgetauscht und weggelassen. Oder besser gesagt, man hat grobe Versatzstücke beibehalten und eine 08/15-Rachegeschichte mit schwachen Figuren drumherumgestrickt. Besonders vermisst habe ich die drogeninduzierten Alptraumsequenzen, in denen man viel über das Gefühlsleben von Protagonist Max hätte erfahren können, ohne das Sitzfleisch des Zuschauers mit einem langen Monolog zu prüfen. Um die Gegensätze perfekt zu machen, hört man das emotionsgeladene Max Payne Originalthema von Kärtsy Hatakka & Kimmo Kajasto nicht einmal im Film.

Ein durchschnittlicher Actionstreifen – davon gibts schon genug!

Bonus: Eine ganz persönliche Ausnahme

zombie2Bevor es mich hintenrum erwischt, erwähne ich an dieser Stelle gleich, dass ich bis jetzt zu jedem Resident Evil Film ins Kino gestürmt bin. Das hat allerdings weniger damit zu tun, dass es sich um eine Serie stimmiger Videospielverfilmungen handelt. Das hat eher damit zu tun, dass ich mir einfach total gerne Milla Jovovich anschaue wenn sie mal wieder in irgendeiner Form ihre Rolle als Übermensch ausfüllt. Egal ob sie dabei Zombies verprügelt, einen auf Vampir macht oder einfach nur massenweise Hühnchen vertilgt. Das geht irgendwie immer.





Diese 4 Spiele gehören auch auf die große Leinwand

7 11 2008

Um den 20. November herum startet Max Payne in den deutschen Kinos, eine Adaption der beiden sehr atmosphärischen „Film Noir“-Shooter, mit denen ich einige Stunden auf dem heimischen PC verbracht habe. Okay, nicht allzuviele Stunden, denn der Wiederspielwert ist nicht so extrem hoch, aber immerhin. Eine Kritik erlaube ich mir natürlich erst, wenn ich den Film selbst gesehen habe.

An Videospielverfilmungen hat es in letzter Zeit gar nicht so sehr gemangelt. Vom kauzigen Super Mario Bros über die durchschnittlichen Boll-Werke bis zu Perlen wie Silent Hill war schon viel dabei und die Wunschliste der Fans ist lang. Von diesen vier hier habe ich noch nichts gelesen, obwohl sie eindeutig auch auf die Leinwand gehören.

1) C&C: Alarmstufe Rot / Red Alert


Die Ende 1996 von Westwood ins Leben gerufene Echtzeitstrategieserie macht auch im aktuellen dritten Teil durch seine abgefahrene Hintergrundgeschichte und seine B-Movie-artigen Zwischensequenzen von sich reden. Das Universum basiert darauf, dass 1946 Albert Einstein mit einer Zeitmaschine nach 1924 zurückreist um Adolf Hitler auszuschalten und den zweiten Weltkrieg zu verhindern. Stattdessen greift aber Stalins Russland an um Europa zu unterjochen. Im zweiten Teil startet dann der Premier der unterlegenen Sowjetunion seinen Überraschungsangriff auf die USA, getrieben von einem Rasputin-Verschnitt, der mit paranormalen Kräften hantiert. Doch auch nach einer weiteren Niederlage sind die Roten nicht kaputtzukriegen, ein fehlgeschlagenes Zeitreiseexperiment bringt auf einmal die Japaner auf den Plan und das Spiel geht von vorne los. Mit einer Prise Three Kings, einer Prise Starship Troopers und einer gehörigen Prise der serieneigenen Selbstironie hat man ein super Rezept für eine Komödie auf die üblichen Kriegsfilme. Udo Kier, Tim Curry und George Takei kennen sich schon gut mit der Serie aus.

2) Space Channel 5


Auch Videospieler haben Musicals – eins davon ist Segas Zweiteiler Space Channel 5, der 2002 und 2003 in Europa für die etwas glücklose Dreamcast-Konsole erschienen ist. In der Zukunft von Space Channel 5 herrscht ein futuristisches Flower-Power-Design Marke Austin Powers vor und Musik ist Dreh und Angelpunkt allen Lebens. Im ersten Teil zwingen die Morolianer die Menschheit zum Tanzen. Ulala, Reporterin des namensgebenden Fernsehsenders Space Channel 5, wird von ihrem Boss Blank losgeschickt um über die Vorfälle zu berichten. Dort trifft sie auf allerlei schräge Charaktere wie ihre Rivalin Pudding, von Channel 42, Jaguar, Betreiber eines Piratensenders und der Space-Variante von Michael Jackson. Im zweiten Teil kidnappen der mysteriöse Purge und seine Rhythm-Rogues den Space-Präsidenten Peace, was allerdings nur eine Ablenkung für ihren wahren finsteren Plan ist, die Kontrolle über die Menschheit mittels einer Super-Tanz-Kontrollwaffe zu erringen. Alles klar? Wenn das Musical auf die Leinwand kommt möchte ich übrigens eine japanische Version mit Untertiteln, und besetzt bloss nicht Apollo Smile als Ulala. Let’s Dance!

3) Day of the Tentacle


Das 1993 erschienene klassische Lucasarts-Adventure gehört nicht nur zu den ganz Großen dieses Genre, sondern bietet im Grunde genommen genügend Stoff für eine zünftige Zeitreise-Teeniekomödie. Das vom verrückten Wissenschaftler Dr. Fred Edison als Haustier gezüchtete Purpur-Tentakel trinkt von verseuchtem Wasser. Davon wachsen ihm Arme, die er dazu nutzt die Weltherrschaft an sich zu reissen! Sein nicht ganz so ambitionierter Artgenosse Grün-Tentakel bittet seine Freunde um Hilfe, die mit einem von Edison erfundenen Zeitreiseklo 24 Stunden zurückreisen sollen, um dieses Maleur zu verhindern. Das klappt nicht so ganz, das Mathegenie Bernhard bleibt in der Gegenwart, Rockerdude Hoagie strandet 200 Jahre in der Vergangenheit und die freakige Medizinstudentin Laverne verschlägt es 200 Jahre in der Zukunft. Soviel Spaß mit Zeitlinien und historischen Personen wie George Washington und Benjamin Franklin gab es seit Bill und Ted nicht mehr. Ab auf die Leinwand damit!

4) XCOM / UFO – Enemy Unknown


Auch aus dem Jahr 1993 ist die XCOM-Serie von Microprose. Das auf Basenbau und strategischem Rundenkampf basierende Spielprinzip erzählt nicht direkt eine neue Geschichte. Aliens greifen die Menschheit an, im ersten Teil kommen sie aus dem All, im zweiten Teil aus der Tiefsee, über alles, was danach kam schweigen wir uns einfach mal aus. Auf den ersten Blick macht die Geschichte nicht sonderlich viel her, doch auf dem zweiten Blick haben wir einige Elemente, aus denen man hervorragend etwas stricken kann. Zum einen wird der Spieler von einem Nationenrat bezahlt, aus dem Geldgeber ausscheren können. Wenn man zuviele Missionen vergeigt, verbünden sie sich einfach mit unseren neuen außerirdischen Meistern. Diese gehen durchaus auch politisch vor und inszenieren Terrormissionen, die nur zur Verunsicherung der Bevölkerung dienen. Aliens zerlegen einen Badestrand auf Hawaii? Oder wie wäre es mit der Inszenierung der Rückeroberung einer aufgegebenen Menschenbasis? Klassischer Horrorstoff. Gerade im zweiten Teil basieren die Agressoren auch mehr auf dem Cthulhu-Mythos als auf den üblichen UFO-Legenden – H. P. Lovecraft lässt grüßen.

Wie so eine Liste muss entweder 3 oder 5 Punkte beinhalteen? Na dann schreibt doch, was ihr noch verfilmt sehen möchtet. Ich nehme auch Metal Gear Solid, aber Originalitätspunkte gibts dafür nicht.