Die chinesische Sonne scheint immer von unten

2 09 2009

chinesichesonneDie „chinesische Sonne“ von Achim Dunker ist erst mein zweites Buch übers Filmen von einem deutschen Autoren. Laut Klappentext ist es eines der Grundlagenwerke zur Lichtgestaltung und dementsprechend hatte ich es schon seit langem als Pflichtlektüre in meinem Einkaufswagen bei Amazon liegen.

Nach dem ersten Überfliegen war ich erstmal ziemlich ernüchtert. Für welches Publikum hat der Autor die „chinesische Sonne“ nur geschrieben? „Üben Sie sich in einer Portraitausleuchtung. Besorgen Sie sich leihweise vier 800W-Kunstlichtlampen, entweder bei Bekannten oder von einem Filmlichtverleih.“ Erde an Achim, bleib mal auf dem Boden! Ich bin No-Budget-Filmer und betreibe keinen Beleuchterladen.

Dann wurde mir aber klar, was mich wirklich an diesem Buch stört. Der Autor hat schlicht und einfach ein Schulbuch geschrieben! Meine Indizien – das Layout ist, sagen wir mal, „zweckdienlich“. Unter den Abbildungen finden sich fast nur Produktphotos aus dem Fundus diverser Hersteller, was wirklich schade ist. Besonders die doch recht interessanten Interviews hätten durch ein paar Fotos der Interviewpartner, vielleicht sogar bei der Arbeit in ihrem Filmen, gewonnen. Statt einem gesammelten Bildnachweis im Anhang prangt unter jedem Photo ein dicker Copyrighthinweis. Genau so ist es auch mit der Hand voll Illustrationen, die vom Autor selbst sind. Ich denke, der große (C) zeigt deutlich auf Dozenten, die gerade großzügig Material für ihre Vorlesungen zusammenkopieren.

Jenseits dieser Macken liegt allerdings immer noch ein sehr gehaltvolles Sachbuch. Achim Dunker gibt eine Übersicht über häufig und auch weniger häufig verwendete Lichtquellen und ihre Charakteristika. Er erläutert das Prinzip der klassischen Dreipunktbeleuchtung mit Hauptlicht, Aufhellung, Spitzlicht und dem vierten der drei Lichter, dem Hintergrundlicht. Es folgen Erläuterungen, wie eine gewisse Lichtlogik und Lichtkonsistenz über verschiedene Einstellungen gehalten werden kann. Auch wenn ich viele Inhalte schon aus anderen Quellen kannte ist es sehr angenehm, hier alles kompakt hintereinander zu haben. In den Interviews, die den Abschluss des Buches bilden, kommt dann endlich das Handwerk wieder zur Kunst, logisches Licht wird da vom Kameramann Gernot Roll gleich als überschätzt verworfen. „Es geht nur darum, dass man irgendeine Wirkung erzielt. Wie man sie erzielt, ist jedem selbst überlassen. [...] Das sogenannte Führungslicht, es ist wirklich ein althergebrachtes Ding, das kann schlicht auch nur eine Aufhellung sein, dann ist das eben das Führunglicht.“ Hier findet sich auch die titelgebende chinesische Sonne wieder. „AD: Kam die Spitze auch von unten?“ – „GR: Die chinesische Sonne scheint immer von unten.“ Wer wissen will, von wo die nigerianische oder indische Sonne scheint, muss selber vorbeifahren und gucken.

Das Buch gibt’s unter diesem handlichen Affiliate Link auf Amazon. Grundlegende Informationen gibt es aber auch für Lau im Netz – zum Start empfehle ich dir die Lichtartikel auf movie-college.de.





Lange Portraits

25 08 2009

Nachdem der Fotograf Clayton Cubitt offensichtlich den Videoknopf an seiner neuen Canon 5D Mark II gefunden hat, ist er auf die Idee gekommen, „long portraits“ zu machen – also lange Portraits. Videos, bei denen sich der Mensch vor der Linse in Pose hinstellt und diese einige Minuten hält. Ich sage dazu auch gerne „lebendes Portrait“, weil man in der Zeit viel mehr Informationen aufnimmt, als in der hundertstel Sekunde, die eine Portraitaufnahme sonst einfängt.

Zur Übung habe ich auch ein paar „long portraits“ aufgenommen, von den Studio Special Place Stammmodels Monty und Laura sowie ein kleines Selbstportrait.


Monty


Laura


Michael

Was ist deine Meinung zu den langen Portraits?
Ich freu mich auf deine Kommentare.





Fata Morgana Video in der lokalen Presse

9 07 2009

Falls du dich noch erinnerst, vor ein einigen Tagen habe ich ein Video mit der neuen Choreographie von Fata Morgana ins Netz gestellt. Unter anderem hier auf YouTube und auf Vimeo.

Zu meiner Überraschung hat unser lokales Blatt, die Recklinghäuser Zeitung, gestern fast eine Dreiviertelseite für diese selbstbewusste Nummer spendiert – nicht schlecht.

(Zoomen)





Warum gibt es in After Effects eigentlich keine Pipette?

15 06 2009

afxdropper

Was fällt dir auf dem Bild da oben auf? Wo es im Photoshop eine handliche Pipette zum setzen des Weißpunkts und des Schwarzpunkts gibt, sitze ich in After Effects total auf dem Trockenen. Jetzt muss ich in After Effects die Bildebenen zusammenfügen, die Zusammenstellung in eine Bildsequenz exportieren, in Photoshop per Stapelverarbeitung die Farben neutralisieren und anschließend die ganze Geschichte wieder zurück in After Effects einlesen. Summa sumarum dauert der Vorgang etwa sechs Sekunden pro Bild, während derer entweder Photoshop oder After Effects blockiert sind.

Liebe Entwickler von Adobe – erklärt mir doch mal warum ein und derselbe Filter in zwei Komponenten eurer Creative Suite unterschiedliche Bedienelemente haben muss. Ob ich jetzt ein Einzelbild oder eine Videoquelle bearbeite, ist doch eigentlich Jacke wie Hose, nicht?





Brandheisser Bewerbungsfilm trotzt steineschmeissenden Schaulustigen

11 06 2009

Was man auf diesem Bild nicht hört (…) ist eine Horde seltsamer Menschen oben auf dem Hügel, die es sich dort mit einem Kasten Bier gemütlich gemacht hatten um, ähm, keine Ahnung – wahrscheinlich um den Kasten zu leeren. Auf halber Höhe drehten wir die letzten Einstellungen für Michael Cherdchupans Bewerbungsfilm „I feel the Flame“. Während ich es vor ein paar Stunden mit meinem mittelalterlichem Gewand noch ganz gut davongekommen war, musste Micha selbst jetzt nur mit einem Bettvorleger bekleidet als Steinzeitmensch den Hügel herunterjetten.

Ganz im Vertrauen, ich habe vollstes Verständnis, dass so eine kleine Filmcrew in Kostümen eine Schau ist. Deswegen dürfen von meiner aus auch alle Leute starren wie sie wollen – solange sie nicht den Dreh stören. Die bereits erwähnten Könige des Hügels hatten da allerdings eher andere Ansichten. Zum Gestarre kam erst Gekicher dazu, dass dann schnell in unverständliches Gejohle überging, als wären wir in einem Fußballstadium. Dann wurde unter erwähntem Gekicher und Gejohle irgendwelcher Dreck heruntergekickt, der uns zwar nicht erreichte, aber trotzdem nicht gerade förderlich für die Konzentration war. Bevor es dann in handfestes Steineschmeissen überging, packten wir unsere Sachen zusammen und machten uns wieder auf dem Weg – für ein paar Takes zur Sicherheit muss man ja keine Buxerei riskieren.

Beim Abstieg erzählte mir Micha noch, dass das bei den Außenaufnahmen zu seinem Abschlußfilm Seancé ganz ähnlich war. Mal ehrlich, was geht in den Leuten vor, die so Spaß daran haben, andere Menschen bei ihrer Arbeit zu stören?

Nunja, „I feel the Flame“ ist trotzdem termingerecht fertiggeworden und auf Michas Vimeo-Account zu betrachten.


[Auf Vimeo ansehen]