Die „chinesische Sonne“ von Achim Dunker ist erst mein zweites Buch übers Filmen von einem deutschen Autoren. Laut Klappentext ist es eines der Grundlagenwerke zur Lichtgestaltung und dementsprechend hatte ich es schon seit langem als Pflichtlektüre in meinem Einkaufswagen bei Amazon liegen.
Nach dem ersten Überfliegen war ich erstmal ziemlich ernüchtert. Für welches Publikum hat der Autor die „chinesische Sonne“ nur geschrieben? „Üben Sie sich in einer Portraitausleuchtung. Besorgen Sie sich leihweise vier 800W-Kunstlichtlampen, entweder bei Bekannten oder von einem Filmlichtverleih.“ Erde an Achim, bleib mal auf dem Boden! Ich bin No-Budget-Filmer und betreibe keinen Beleuchterladen.
Dann wurde mir aber klar, was mich wirklich an diesem Buch stört. Der Autor hat schlicht und einfach ein Schulbuch geschrieben! Meine Indizien – das Layout ist, sagen wir mal, „zweckdienlich“. Unter den Abbildungen finden sich fast nur Produktphotos aus dem Fundus diverser Hersteller, was wirklich schade ist. Besonders die doch recht interessanten Interviews hätten durch ein paar Fotos der Interviewpartner, vielleicht sogar bei der Arbeit in ihrem Filmen, gewonnen. Statt einem gesammelten Bildnachweis im Anhang prangt unter jedem Photo ein dicker Copyrighthinweis. Genau so ist es auch mit der Hand voll Illustrationen, die vom Autor selbst sind. Ich denke, der große (C) zeigt deutlich auf Dozenten, die gerade großzügig Material für ihre Vorlesungen zusammenkopieren.
Jenseits dieser Macken liegt allerdings immer noch ein sehr gehaltvolles Sachbuch. Achim Dunker gibt eine Übersicht über häufig und auch weniger häufig verwendete Lichtquellen und ihre Charakteristika. Er erläutert das Prinzip der klassischen Dreipunktbeleuchtung mit Hauptlicht, Aufhellung, Spitzlicht und dem vierten der drei Lichter, dem Hintergrundlicht. Es folgen Erläuterungen, wie eine gewisse Lichtlogik und Lichtkonsistenz über verschiedene Einstellungen gehalten werden kann. Auch wenn ich viele Inhalte schon aus anderen Quellen kannte ist es sehr angenehm, hier alles kompakt hintereinander zu haben. In den Interviews, die den Abschluss des Buches bilden, kommt dann endlich das Handwerk wieder zur Kunst, logisches Licht wird da vom Kameramann Gernot Roll gleich als überschätzt verworfen. „Es geht nur darum, dass man irgendeine Wirkung erzielt. Wie man sie erzielt, ist jedem selbst überlassen. [...] Das sogenannte Führungslicht, es ist wirklich ein althergebrachtes Ding, das kann schlicht auch nur eine Aufhellung sein, dann ist das eben das Führunglicht.“ Hier findet sich auch die titelgebende chinesische Sonne wieder. „AD: Kam die Spitze auch von unten?“ – „GR: Die chinesische Sonne scheint immer von unten.“ Wer wissen will, von wo die nigerianische oder indische Sonne scheint, muss selber vorbeifahren und gucken.
Das Buch gibt’s unter diesem handlichen Affiliate Link auf Amazon. Grundlegende Informationen gibt es aber auch für Lau im Netz – zum Start empfehle ich dir die Lichtartikel auf movie-college.de.
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