Brandheisser Bewerbungsfilm trotzt steineschmeissenden Schaulustigen

11 06 2009

Was man auf diesem Bild nicht hört (…) ist eine Horde seltsamer Menschen oben auf dem Hügel, die es sich dort mit einem Kasten Bier gemütlich gemacht hatten um, ähm, keine Ahnung – wahrscheinlich um den Kasten zu leeren. Auf halber Höhe drehten wir die letzten Einstellungen für Michael Cherdchupans Bewerbungsfilm „I feel the Flame“. Während ich es vor ein paar Stunden mit meinem mittelalterlichem Gewand noch ganz gut davongekommen war, musste Micha selbst jetzt nur mit einem Bettvorleger bekleidet als Steinzeitmensch den Hügel herunterjetten.

Ganz im Vertrauen, ich habe vollstes Verständnis, dass so eine kleine Filmcrew in Kostümen eine Schau ist. Deswegen dürfen von meiner aus auch alle Leute starren wie sie wollen – solange sie nicht den Dreh stören. Die bereits erwähnten Könige des Hügels hatten da allerdings eher andere Ansichten. Zum Gestarre kam erst Gekicher dazu, dass dann schnell in unverständliches Gejohle überging, als wären wir in einem Fußballstadium. Dann wurde unter erwähntem Gekicher und Gejohle irgendwelcher Dreck heruntergekickt, der uns zwar nicht erreichte, aber trotzdem nicht gerade förderlich für die Konzentration war. Bevor es dann in handfestes Steineschmeissen überging, packten wir unsere Sachen zusammen und machten uns wieder auf dem Weg – für ein paar Takes zur Sicherheit muss man ja keine Buxerei riskieren.

Beim Abstieg erzählte mir Micha noch, dass das bei den Außenaufnahmen zu seinem Abschlußfilm Seancé ganz ähnlich war. Mal ehrlich, was geht in den Leuten vor, die so Spaß daran haben, andere Menschen bei ihrer Arbeit zu stören?

Nunja, „I feel the Flame“ ist trotzdem termingerecht fertiggeworden und auf Michas Vimeo-Account zu betrachten.


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Ich tanz dein Bauch, eh!

9 06 2009

Im Ruhrgebiet gibt es den einen oder anderen Kulturschock zu verkraften – lass mich dich das verkasematuckeln. Wir haben nicht nur die schönsten Bergwerksdruinen wo gibt, sondern auch in anderen Teilen Deutschlands nahezu unbekannte Freizeitbeschäftigungen. Meine Mutter Angelika frönt beispielsweise seit pi mal Daumen zwanzig Jahren dem orientalischen Tanz in dem Bauchtanzverein „Fata Morgana“.Wirklich gut für den Rücken, habe ich mir sagen lassen, vor allem wenn man den ganzen Tag bei der Ruhrkohle im Büro sitzt. Um abzusichern, dass ich meinen zukünftigen Erbteil auch weiterhin als unschlagbar günstige Location mit eingebauter Kost und Logis für alle Crewmitglieder nutzen kann, habe ich eine ihrer Choreographien auf Band gebannt. Man schwingt die Hüften zu Peter Fox „Schüttel dein Speck“, Angelika ist übrigens die Dame in Blau.


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Führende Wissenschaftler raten – Machen sie ihr Schlafzimmer nicht zur Belagerungszone

25 05 2009

Mein Schlafzimmer ist endlich befreit. Fast zwei Wochen lang wurde jeder freie Fleck nicht nur von der Whitescreen-Konstruktion belagert, es türmten sich auch Drehutensilien wie Kabel, Scheinwerfer, Bänder, Adapter und Bestandteile all dieser zwischen dem normalen Chaos wie Klamotten, Bettwäsche und Schuhen.

Bisher dachte ich immer, ich könnte auch auf einer Müllhalde gut schlafen. Wenn ich umziehe, kommt es meist dazu, dass ich Wochen oder Monate praktisch auf dem Boden penne, weil ich es nicht so eilig mit der Einrichtung habe (oder die Lieferzeiten total verpennt habe). Doch Leere und Chaos sind zwei grundverschiedene Dinge.

Leere zwingt dich nicht dazu, auf alle Vieren zu gehen, um den Raum zu verlassen. Leere tendiert nicht dazu, nachts lautstark zusammenzukrachen. Leere ist Platz, Chaos ist Enge.

Jetzt ist alles wieder auseinandergebaut, was auseinandergehört und wieder zusammengebaut, was zusammengehört. Die Whitescreen-Szenen sind im Kasten und bis auf ein blaue Flecken, die Laura bei ihren eigenen Stunts davongetragen hat, gab es keine bleibenden Szenen.

Natürlich könnte ich jetzt in meinem zurückeroberten Schlafzimmer erstmal ausgiebig nächtigen – aber erstmal mache ich mich an das DWDG-Plakat und dann gehts weiter auf die Suche nach einem Theater für die letzte Szene.





Gaffer Tape hält die Welt zusammen

22 05 2009

Klar, als Filmer braucht man eine Kamera. Bänder wären auch nicht schlecht, ausser man hat eine dieser neumodischen Modelle mit Speicherkarte oder eingebauter Festplatte. Strom, jajaja, meinetwegen auch. Nun hast du das alles dabei, aber du merkst, irgendein wichtigste Helferlein fehlt noch. Oh nein, beinahe hättest du das Haus ohne Gaffer Tape verlassen!

Gaffer Tape, in verschiedenen Varianten auch als Reparaturklebeband, Universalklebeband oder Panzerband bekannt, ist ein selbstklebendes etwas aus faserverstärktem Kunststoff. Wasserdicht, belastbar und trotzdem seitlich mit der Hand reissbar, so dass man vor Ort ohne Schere im Gepäck auskommt.

Mit Gaffer Tape kann man so gut wie alles machen. Löcher in die Wand bohren? Quatsch, wird einfach festgetapet. Kein passender Schraubverschluss da? Mit Tape hält das auch so. Keine Hand frei, um ein Licht zu halten? Mit Gaffer Tape kriegt man das schon irgendwie hin. Ein Lebensretter, den du zu einem angemessenen Preis im Baumarkt deines Vertrauens kriegst.

Eignet sich übrigens auch super um Schuhe zu reparieren, BHs zu flicken, Babys zu wickeln, Rohre abzudichten, Schilder zu schreiben – wenn alles andere versagt, versuch’s doch einfach mal mit Gaffer.





Und warum wollen Sie auf eine Filmschule?

18 05 2009

Am Wochenende habe ich mich im schönen Köln herumgetrieben, um an ihrem Tag der öffenen Tür der ifs einen Besuch abzustatten.

Während ich mir so die verschiedenen Programmpunkte und die ausliegenden Unterlagen anschaute, drängte sich mir hauptsächlich die Frage auf, warum ich überhaupt aus einem stabilen Job (wo man Geld bekommt) zurück auf die Schule möchte (wo man Geld bezahlt).

Dabei sind drei K’s herausgekommen – Kontakte, Können und Kontext.

Kontakte – auch wenn nachgewiesen ist, dass man auch alleine etwas auf die Beine stellen kann, bleibt die ganze Sache ein Teamsport. Und wo lernt man besser Mitstreiter kennen, als an einer Filmerschule? Immerhin hat man 6-8 Semester mit denen zusammen gelernt und gelitten und in den Praxisanteilen vielleicht sogar schon zusammengearbeitet.

Können – das war mal Handwerk, drei K’s klingt nur besser als zwei K’s und ein H. In der Tat gibt es eine Menge an Wissen, dass aufgenommen werden will. Charakterisierung, Lichtsetzung, Umgang mit Schauspielern, eine Menge Trial und vor allem eine Menge Error, wenn man sich das selbst erarbeitern will.

Kontext – jetzt wird’s psychologisch. Das Eintauchen in eine neue Umgebung verändert die Sicht auf die Dinge und auf einen selbst. Das habe ich zuletzt in meinem Abendstudium an der DAMK gemerkt. Die Fähigkeiten, die im alten Alltag vor sich hin gammelten, werden auf einmal unheimlich aktiv, es kommt viel mehr zustande, als man alleine durch die anderen K’s erklären kann. Das Wunder der Anpassung.

Und ja, ich weiss, dass drei K’s vorbelastet sind – über den Kuh Klau Klub schreibe ich vielleicht ein anderes mal noch was.

Wo wir jetzt das große Warum geklärt haben, kommen wir zum ebenso großen, aber noch spannenderen Wie. Ganu ausser acht gelassen, ob ich überhaupt die Aufnahmetests schaffe, wollen Studiengebühren und Lebenshaltungskosten irgendwie getragen werden – das Problem stellt sich nicht nur an der ifs, sondern an allen Filmschulen, die es noch so gibt.

Ein alternativer Plan wäre es, sich als Sklave an eine Produktionsfirma zu verkaufen und bei den Praktikern mitzulaufen, bis genug Wissen abfällt. Aber bringt man heutzutage Assis noch was bei oder achtet man eher drauf, das keine billigen Arbeitskräfte wegfallen? Fragen über Fragen…